Mehr als ein Museum: Ein Ort der Erinnerung, Begegnung und Verantwortung

Die Leiterin des Jüdischen Museums Westfalen in Dorsten, Dr. Kathrin Pieren, zeigte in ihrem Vortrag vor der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gelsenkirchen am Abend des 18. März 2026, was ein Museum heute leisten kann – und leisten muss.

Ulrich Fehling, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, stellt Dr. Kathrin Pieren vor.

Was 1982 als bürgerschaftliche Initiative begann, ist längst mehr als ein klassisches Museum. Seit der neuen Dauerausstellung von 2018 geht es nicht nur um Geschichte, sondern um Erfahrung: Tora, Feste, Biografien, Shoah und Migration werden nicht archiviert, sondern erzählt – zugänglich, konkret, gegenwartsbezogen.

Dr. Kathrin Pieren berichtet von der Arbeit des Jüdischen Museums in Dorsten.

Das Museum versteht sich bewusst als „dritter Ort“: kein Elfenbeinturm, sondern ein Raum für Begegnung, Lernen und Reibung. Selbstreflexion, Inklusion, Partizipation und Digitalisierung sind keine Schlagworte, sondern Praxis – von Ausstellungen über Konzerte bis hin zu ungewöhnlichen Formaten wie dem „Schuhschachtel-Museum“ für Kinder oder Workshops zur Antisemitismusprävention für Schulen und Polizei.

Dabei geht es auch um Verantwortung: Provenienzforschung gehört ebenso dazu wie die Rückgabe von Objekten. Gleichzeitig öffnet sich das Museum digital – mit Online-Sammlungen und Präsenz auf TikTok, Instagram und Facebook.

Die Anwesenden im Kurt-Neuwald-Saal der Neuen Synagoge Gelsenkirchen hatten im Anschluss an den Vortrag noch etliche Fragen.

Die Zahlen geben dem Kurs recht: Über 9.400 Besucher im letzten Jahr, viele davon Schulklassen. Und doch bleibt die Lage angespannt – vor allem bei der langfristigen Sicherung zentraler Stellen und projektbezogener Finanzierung.

Bemerkenswert ist schließlich ein scheinbarer Widerspruch: In einer Stadt ohne eigene jüdische Gemeinde gelingt es dem Museum, jüdisches Leben sichtbar zu machen – durch enge Kooperationen mit Gemeinden der Region.

Die Strategie bis 2028 ist klar: stabilisieren, vernetzen, erweitern. Kurz gesagt: weniger Museum im alten Sinn – mehr lebendiger Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert