Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit lädt ein zur respektvollen Begegnung von Judentum und Christentum in Gegenwart und Vergangenheit.

Wir widersprechen dabei jeglicher Form von Judenfeindschaft, Rechtsextremismus, Diskriminierung und Intoleranz.


 

Erklärung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gelsenkirchen
zum Antisemitismus

Beschlossen durch die Mitgliederversammlung
der Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit Gelsenkirchen e. V. vom
14. März 2019

sowie
zugestimmt von der Demokratischen Initiative in der
Sitzung  vom 28. Mai 2019 und vom Rat der Stadt
Gelsenkirchen in der Sitzung vom 11. Juli 2019

 

Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gelsenkirchen bringt mit der nachfolgenden Erklärung ihre Besorgnis angesichts der in letzter Zeit zunehmenden antisemitischen Äußerungen und Aktionen zum Ausdruck.

Nach der Erfahrung von Verfolgung und Vernichtung durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft haben die trotz alledem in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden sehr langsam und in einem Jahrzehnte andauernden Prozess Vertrauen gefasst, dass sie in diesem Land leben können.

Heute sehen sich Jüdinnen und Juden in ganz Deutschland und darüber hinaus zunehmend genötigt, ihre Identität zu verbergen, um nicht zum Ziel antisemitischer Übergriffe zu werden. An Schulen werden jüdische Kinder und Jugendliche ausgegrenzt, beleidigt und bedroht. Jüdische Grabstätten werden geschändet und Synagogen angegriffen.

Gelsenkirchen bildet leider keine Ausnahme. Ein Jugendlicher der Gelsenkirchener Gemeinde drückt die Stimmung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in einem Lied für die Jewrovision 2019 so aus:

„Keiner von uns frei, weil dieser Hass uns wieder bricht. ...Für uns ist das Normal-Leben sowas wie ein Traum gewesen. Man könnte auch vom Traum von endlich Heimat reden. Doch dieser Traum ist wohl in Deutschland am Versagen. Wieso ist ne Kippa ein Grund einen Juden so zu schlagen? ... Das vor 70 Jahren, es klopft an und ist jetzt da. ...“

 

Antisemitische Einstellungen reichen bis in die Mitte der Gesellschaft hinein, sei es durch direkte Anfeindungen der hier lebenden Jüdinnen und Juden, sei es durch eine   Kritik am Staat Israel, die scheinbar nur politische Entscheidungen seiner Regierung verurteilt, in Wirklichkeit jedoch Israel als jüdischem Staat, in dem Jüdinnen und Juden in Sicherheit vor Verfolgung leben können, seine Existenzberechtigung abspricht.

Wir beobachten auch die Auswirkungen antisemitischer Ressentiments, mit denen viele der Menschen aufgewachsen sind, die als Kriegsflüchtlinge aus Ländern des Nahen und Mittleren Ostens zu uns gekommen sind. Wir begrüßen, dass es in einer gemeinsamen Anstrengung von Politik und Gesellschaft gelang, ihnen Aufnahme und Schutz zu gewähren. Doch wenn antisemitisches Denken seinen Ausdruck in judenfeindlichen Verhaltensweisen im Alltag findet, macht uns das nicht weniger besorgt, als wenn sich Antisemitismus im deutschen politischen Spektrum zeigt.

Wir stellen klar: Wer Jüdinnen und Juden und jüdisches Leben in Deutschland – in welcher Form auch immer – angreift, der greift die Grundlagen unserer Gesellschaft an, der tritt die Menschenwürde und Grundrechte aller mit Füßen.

Deshalb erklären wir in aller Deutlichkeit: Wer Jüdinnen und Juden in diesem Land angreift, der greift auch uns an!

Wir appellieren an alle Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, Antisemitismus, Rassismus und anderen Formen der Diskriminierung den Kampf anzusagen und für ein freiheitlich demokratisches Zusammenleben einzutreten.

Wir appellieren an alle, die in der Politik Verantwortung tragen, mit Artikel 1 des Grundgesetzes Ernst zu machen und die unantastbare Menschenwürde durch alle staatliche Gewalt zu schützen.

Unsere Solidarität und Verbundenheit gilt unseren jüdischen Partnern , Freunden und Freundinnen. Sie sollen wissen, dass sie in der Bedrängnis, die sie gegenwärtig erfahren, nicht alleinstehen.